Was ist problematischer Konsum?

In den Gesprächen mit Jugendlichen sollten Sie darauf achten, ob ein gelegentlicher Genuss von geringen Mengen Alkohol in einen schädlichen Gebrauch mit vielen Risiken umzuschlagen droht.

Zwei Jugendliche mit Flaschen mit alkoholischen Getränken in der Hand.

Problematischen Konsum erkennen

Ein starkes Warnzeichen für problematischen Alkoholkonsum sind Veränderungen des Verhaltens. Typische Merkmale für problematischen Alkoholkonsum:

  • Häufiges Rauschtrinken (auch bekannt als „Binge-Drinking“): Es werden in kurzer Zeit große Mengen Alkohol getrunken. Die Folge ist starke Betrunkenheit bis hin zur Alkoholvergiftung.
  • Die Gedanken und Handlungen kreisen um das Thema Alkohol.
  • Der Konsum hat negative Folgen: Unfälle, Stürze oder Verwicklungen in Streitigkeiten und körperliche Auseinandersetzungen, strafbare Handlungen.
  • Schule und Ausbildung: Plötzlicher, starker Leistungsabfall sowie häufiges Zuspätkommen oder Fehlen.
  • Freizeit und Umfeld: Rückzug von bisherigen Hobbys oder ein abrupter Wechsel des Freundeskreises.
  • Der Alkoholkonsum führt zu familiären oder anderen Beziehungsproblemen. Trotzdem wird der Konsum fortgesetzt.
  • Problematisch ist es auch, wenn Jugendliche Alkohol trinken, um mit Stress umzugehen oder Kummer zu betäuben.

Es gibt jedoch keine allgemein gültigen Anzeichen, die immer und sicher auf einen problematischen Konsum hinweisen. Die meisten dieser Merkmale können auch andere Ursachen haben (z. B. Cannabismissbrauch, psychische Erkrankungen wie Depressionen oder soziale Schwierigkeiten).

Schauen Sie bitte genau hin: Entscheidend sind deutliche Verhaltensänderungen im Vergleich zum früheren Verhalten (zum Beispiel: Ist die Person jetzt passiver als früher oder war sie „schon immer so“?).

Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit

Von Alkoholmissbrauch spricht man, wenn durch den Konsum regelmäßig negative Folgen entstehen, die betroffene Person aber trotzdem weitertrinkt.

Alkohol kann zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit führen. Eine Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Sie entsteht über einen langen Zeitraum, nicht von heute auf morgen. Es wird immer öfter und auch immer mehr getrunken. Der Körper gewöhnt sich mit der Zeit an Alkohol und entwickelt eine gewisse Toleranz. Das heißt: Um die gleiche Wirkung zu erzielen, muss eine immer größere Menge getrunken werden. So entsteht eine Abhängigkeit.

Verschiedene alkoholische Getränke

Beispiele für Warnzeichen einer Alkoholabhängigkeit sind:

  • Toleranzentwicklung: Um die gleiche Wirkung zu erzielen, braucht die Person immer größere Mengen an Alkohol.
  • Dosissteigerung: Der Konsum nimmt stetig zu.
  • Kontrollverlust: Die betroffenen Personen können häufig nicht aufhören zu trinken oder trinken mehr als beabsichtigt.
  • Entzugserscheinungen: Beschwerden (z. B. Nervosität, Schwitzen, Schlafstörungen), wenn weniger oder kein Alkohol konsumiert wird.
  • Trinken als Problembewältigung: Alkohol wird genutzt, um mit Stress, Trauer, Ärger oder Angst umzugehen.
  • Soziale und emotionale Folgen: Streit mit Freunden oder Familie, Rückzug, Leistungsabfall in Schule oder Beruf.
  • Riskantes Verhalten: Fahren unter Alkoholeinfluss, ungeschützter Geschlechtsverkehr usw.

Wann sollten Sie einschreiten?

Hilfreich sind folgende Überlegungen:

  • Alter der Jugendlichen (betrunkene 12-Jährige sind anders zu bewerten als betrunkene 17-Jährige usw.)
  • Ausmaß des Konsums
  • Rahmenbedingungen
  • Ihre eigenen Haltungen und Normen, gesellschaftliche Normen, gesetzliche Regelungen und Ihre eigene Rolle

Bei jugendlichen Schwangeren ist es wichtig, einen Beitrag zur gesunden Entwicklung des ungeborenen Lebens zu leisten. Frauenärztinnen und Frauenärzte haben hier die Aufgabe, Informationen über die Gefahren des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft zu vermitteln.

Wann müssen Sie einschreiten?

Es gibt Situationen, in denen ein Eingreifen auf jeden Fall erforderlich ist:

Bei stark alkoholisierten Jugendlichen
  • Bewusstlos oder nicht ansprechbar: Dies kann auf eine Alkoholvergiftung hinweisen, die lebensgefährlich sein kann. Sie sind verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten, den Notarzt zu rufen und den Jugendlichen ins Krankenhaus zu bringen.
  • Deutliche körperliche Probleme, aber nicht bewusstlos: Informieren Sie die Eltern, damit sie den Jugendlichen abholen können, und sorgen Sie in der Zwischenzeit für Aufsicht.
  • Wenn kein Abholen möglich ist: Warten Sie ab, bis sich der Zustand deutlich bessert, bevor Sie den Jugendlichen allein nach Hause gehen lassen.
Ein Rettungswagen mit Blaulicht bei Nacht auf regennasser Fahrbahn.
Bei Verstößen gegen Gesetze oder Regeln
  • In der Schule müssen Lehrkräfte einschreiten, wenn Jugendliche unerlaubt Alkohol mit sich führen oder trinken. Die konkreten Maßnahmen richten sich nach den geltenden Gesetzen.
  • Auch im außerschulischen Bereich gilt: Bei Verstößen gegen gesetzliche Vorgaben oder vereinbarte Regeln ist Handeln erforderlich.

Sie sind weder Therapeutin oder Therapeut noch Elternteil der Jugendlichen. Das Thema Alkohol anzusprechen bedeutet nicht, dass Sie für das weitere Schicksal des bzw. der Jugendlichen verantwortlich sind. Setzen Sie sich daher nicht unter Erfolgsdruck. Ihr Einschreiten hat eine pragmatische, keine therapeutische Zielsetzung.