Gespräche führen

Eltern im Gespräch mit ihrer Tochter

Warum und wie über das Thema sprechen?

Als Eltern oder Erziehungsberechtigte haben Sie großen Einfluss auf das Verhalten Ihres Kindes. Auch wenn der Einfluss im Jugendalter abnimmt – Sie sind eine wichtige Gesprächsperson und für das Erwachsenwerden Ihres Kindes unverzichtbar!

Nutzen Sie Gesprächsaufhänger!

Die wenigsten Kinder und Jugendlichen freuen sich über pädagogische Gespräche aus heiterem Himmel. Gerade in der Pubertät werden geplante Eltern-Kind-Gesprächen immer schwieriger. Konkrete Situationen oder Beobachtungen können ein hilfreicher Türöffner sein. Gesprächsaufhänger wie Filme, Werbung oder Promi-News können die Gesprächsbereitschaft erhöhen. Auch die Teilnahme an der Aktion Glasklar kann ein guter Anlass für ein Gespräch sein.

Auch Ihre eigenen Erfahrungen mit Alkohol können ein Gesprächsaufhänger sein. Erinnern Sie sich an Ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol − und an die Reaktionen Ihrer Umwelt darauf? Jugendliche interessieren sich für die Erfahrungen anderer und es entsteht ein positives Gesprächsklima, wenn Sie Ihre eigenen Erlebnisse im Jugendalter teilen.

Wie Sie über das Thema Alkohol sprechen können, hängt vom Alter und von den Erfahrungen mit Alkohol ab, die Ihr Kind bereits gemacht hat.

Wenn Ihr Kind noch keine oder nur wenige Erfahrungen mit Alkohol gemacht hat:
  • Hinterfragen Sie mit Ihrem Kind die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol. Warum ist es z. B. auf vielen Festen selbstverständlich, dass Alkohol getrunken wird?
  • Wie erlebt Ihr Kind sich in seiner eher ablehnenden Haltung? Fällt es ihm manchmal schwer, Alkohol abzulehnen oder spielt Alkohol in seiner Lebenswelt nur eine unbedeutende Rolle?
  • Bestärken Sie Ihr Kind in seiner kritischen Haltung und in seiner Standfestigkeit!
Wenn Ihr Kind bereits einige Erfahrungen mit Alkohol gemacht hat:
  • Auch hier: Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Rolle Alkohol spielt. Fragen Sie Ihr Kind nach seiner eigenen Haltung in Bezug auf Alkoholkonsum und nach seinen Erfahrungen.
  • Besprechen Sie gemeinsam die positiven und negativen Seiten des Alkoholkonsums. Erzählen Sie dabei auch von eigenen Erfahrungen. Nutzen Sie zuverlässige Informationsquellen im Internet (z. B. Alkohol? Kenn dein Limit.).
  • Fragen Sie Ihr Kind, welche negativen Folgen es für sich selbst nicht erleben möchte (z. B. Filmriss, peinliches Verhalten vor anderen). Überlegen Sie sich gemeinsam Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen.
  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind klare Regeln für den Umgang mit Alkohol.
Verschiedene alkoholische Getränke
Wenn Sie sich Sorgen über den Alkoholkonsum Ihres Kindes machen:
  • Führen Sie das Gespräch zeitnah nach dem Alkoholmissbrauch Ihres Kindes. Jedoch nie, wenn das Kind noch betrunken ist.
  • Vermeiden Sie moralische Appelle oder Vorwürfe auch dann, wenn Ihr Kind bereits viele (negative) Erfahrungen mit Alkohol gemacht hat. Ein ruhiges und sachliches Gespräch nutzt jetzt mehr als endlose Vorhaltungen.
  • Es ist vor allem wichtig, sich Zeit zu nehmen und Ihrem Kind zuzuhören. Versuchen Sie, sich in die Situation hineinzuversetzen und die Hintergründe zu erfahren. Versuchen Sie, die Beweggründe nachzuvollziehen, auch wenn Sie sie nicht gutheißen.
  • Formulieren Sie Ihre Sorgen und Ihre Haltung gegenüber dem Alkoholkonsum Ihres Kindes möglichst konkret. Legen Sie Ihre eigenen Beobachtungen zu Grunde: Was haben Sie wann wahrgenommen?
  • Klären Sie sachlich die negativen Folgen des Alkoholkonsums. Sprechen Sie zum Beispiel über Risiken beim Sex oder im Straßenverkehr oder über die Gefahr einer Alkoholvergiftung. Fragen Sie auch, welche Folgen Ihr Kind selbst nicht möchte. Wie kann es dieses Ziel erreichen?
  • Stellen Sie keine unrealistischen Forderungen. Treffen Sie Vereinbarungen, die auch eingehalten werden können. Positives Verhalten sollte unbedingt verstärkt werden. Grenzen müssen aber deutlich sichtbar bleiben. Überwachung und Bevormundung führen nur zu Rebellion.
Ein Erwachsener spricht mit einem Kind.

Problematischen Konsum ansprechen – aber wie?

Führen Sie ein Gespräch mit Ihrem Kind, in dem Sie ohne Vorwürfe Ihre Beobachtungen schildern. Kündigen Sie das Gespräch an, nehmen Sie sich Zeit und hören Sie Ihrem Kind zu. Versuchen Sie, die Beweggründe nachzuvollziehen, auch wenn Sie sie nicht gutheißen. Klären Sie sachlich die negativen Folgen des Alkoholkonsums. Fragen Sie auch, welche Folgen Ihr Kind selbst auf jeden Fall vermeiden möchte.

Treffen Sie gemeinsam realistische Vereinbarungen, legen Sie klare Grenzen und Regeln fest. Benennen Sie Konsequenzen, für den Fall, dass sich Ihr Kind nicht daran hält.

Sie können mit Ihrem Kind zum Beispiel vereinbaren …

  • … keinen Alkohol auf nüchternen Magen zu trinken.
  • … auf Hochprozentiges zu verzichten.
  • … nicht an Trinkspielen teilzunehmen.
  • … abwechselnd auch nichtalkoholische Getränke zu sich zu nehmen.
  • … bereits vor der Party einen sicheren Heimweg zu organisieren (unterstützen Sie hierbei).
  • … nicht allein „im stillen Kämmerlein“ zu trinken.

Fakten statt Dramatisierung

Ihre Aufgabe der Eltern ist es, Fakten und Informationen richtig an Ihre Kinder weiterzugeben. So sind sie vor falschen Informationen aus dem Internet und aus dem Freundeskreis besser geschützt. Fragen Sie, was Ihr Kind über die Risiken und Wirkungen weiß. Informieren Sie Ihr Kind sachlich und verzichten Sie auf Abschreckung.

Dramatische Darstellungen und düstere Zukunftsaussichten liegen oft so fern der jugendlichen Lebenswelt, dass sie kaum Wirkung zeigen. Durch objektive Informationen über Risiken, aber auch über die Gründe für den Konsum, wirken Sie glaubwürdig. Ein ehrlicher Austausch auf Augenhöhe ist die beste Basis, um Ihr Kind wirklich zu erreichen.