Begleitung sein

Oft wird Jugendlichen zu besonderen Anlässen und Feiern das erste Mal von Erwachsenen ganz bewusst Alkohol angeboten. Typische Beispiele sind ein Glas Sekt an Silvester oder ein Bier am Tag der Konfirmation. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Gründe dafür, Kinder und Jugendliche unter Aufsicht der Eltern früh an Alkohol heranzuführen! Studien belegen eher das Gegenteil. Je älter Kinder sind, wenn sie zum ersten Mal Alkohol trinken, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Probleme mit Alkohol bekommen.

Personen verschiedenen Alters stoßen mit Getränken an.

Was und wie erlauben?

Sie als Eltern oder Erziehungsberechtigte sind nicht für alles verantwortlich, was Ihre Kinder tun oder lassen. Aber sie können einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung von Alkoholproblemen leisten. Bieten Sie Orientierung mit klaren Regeln und unterstützen Sie Ihr Kind darin, möglichst spät mit Alkohol in Kontakt zu kommen.

Kinder unter 14 Jahren

Kindern sollte kein Alkohol angeboten werden, auch nicht zum Ausprobieren. Alkohol ist für Kinder unter 14 Jahren sehr gefährlich. Es kann schon bei geringen Mengen zu Vergiftungen kommen. Lassen Sie keine halbvollen Flaschen oder Gläser herumstehen, die zum Probieren einladen. Ihre Kinder sollten auch keine Medikamente einnehmen, die Alkohol enthalten.

Sie sind ein Vorbild für Ihre Kinder! Zeigen Sie, dass Sie auch ohne Alkohol Spaß haben können, zum Beispiel bei Partys oder wenn Freunde kommen. So lernen Kinder, dass der Konsum von Alkohol nicht immer dazugehören muss.

14- bis 15-jährige Jugendliche

Auch wenn das Thema Alkohol für Ihre Kinder vielleicht zunehmend interessanter wird: Bleiben Sie bei einem klaren Nein, kein Alkoholkonsum unter 16 Jahren, auch kein Nippen am Glas. Sprechen Sie gleichzeitig mit Ihrem Kind über mögliche Gründe, wieso es Alkohol trinken möchte (Neugier, Gruppendruck). Sprechen Sie auch über Ihr eigenes Konsumverhalten.

Drei Jugendliche auf einer Party ohne Getränke in der Hand sprechen und lachen miteinander.

Wenn Ihr Kind eine Party feiern möchte, stellen Sie klar, dass diese alkoholfrei bleibt. Helfen Sie mit, dass es auch ohne Alkohol eine tolle Party wird, zum Beispiel mit leckeren alkoholfreien Cocktails oder schöner Dekoration.

Jugendliche ab 16 Jahren

In diesem Alter experimentieren viele Jugendliche mit Alkohol. Sie möchten als erwachsen angesehen werden und sich von den Eltern abgrenzen.

Ihre Rolle als Eltern verändert sich in dieser Phase: Grenzen zu setzen ist auch deshalb wichtig, damit Jugendliche sich dagegen auflehnen und ihre eigene Kraft und Identität entwickeln können. Gleichzeitig werden nun eine liebevolle Begleitung, Bestätigung und Verständnis wichtig.

Jugendliche brauchen die Erfahrung, ohne „Aufpasser“ zu Feiern gehen zu können. Dabei sind eindeutige Absprachen wichtig, zum Beispiel wann sie zuhause sein müssen und wie sie sicher heimkommen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind auch über mögliche Folgen, wenn Absprachen nicht eingehalten werden.

Ein Jugendlicher, der sich den schmerzenden Kopf hält.

Jedes Verhalten hat Folgen

Ein wichtiger Lernprozess für Jugendliche ist es, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Ihr Kind muss seine eigenen Erfahrungen machen, das kann ihm keiner abnehmen. Dies betrifft auch den Umgang mit Alkohol. Ihr Kind soll lernen, dass sein Verhalten Konsequenzen hat. Auch deshalb ist es wichtig, dass Sie das falsche Verhalten Ihres Kindes nicht entschuldigen oder sogar unterstützen.

Übernehmen Sie nicht die Verantwortung für Folgen des Alkoholkonsums Ihres Kindes. Erfinden Sie keine Ausreden. Schreiben Sie keine Entschuldigungen für die Schule. Wischen Sie Erbrochenes nicht auf. Das ist nicht Ihre Aufgabe.

Problematischen Konsum erkennen

Aus Neugier oder dem ersten Ausprobieren kann sich ein riskanter Umgang mit Alkohol entwickeln. Deshalb ist es wichtig, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und aufmerksam zu bleiben, vor allem bei Veränderungen des Verhaltens. Anzeichen für einen problematischen Umgang mit Alkohol können sein:

  • Häufiges Rauschtrinken: Regelmäßiges Betrunkensein bis hin zur Alkoholvergiftung
  • Folgen: Unfälle, Stürze oder Verwicklungen in Streitigkeiten und körperliche Auseinandersetzungen
  • Schule und Ausbildung: Plötzlicher, starker Leistungsabfall sowie häufiges Zuspätkommen oder Fehlen
  • Freizeit und Umfeld: Rückzug von bisherigen Hobbys oder ein abrupter Wechsel des Freundeskreises
Drei Jugendliche im Streit

Problematisch ist es auch, wenn Jugendliche Alkohol trinken, um mit Stress umzugehen oder Kummer zu betäuben. Das löst die Probleme nicht, sondern verdrängt sie nur. Vielleicht gelingt es Ihnen, Ihr Kind im Umgang mit Stress oder belastenden Gefühlen zu unterstützen – zum Bespiel durch Gespräche, Bewegung oder kreative Aktivitäten.

Ein Mann lehnt das Bier ab, das ein anderer Mann ihm anbietet.

Vorbild sein

Alkohol-, Tabak- und Drogenprobleme bei Kindern und Jugendlichen sind weniger wahrscheinlich, wenn Erwachsene klare Einstellungen und Verhaltensweisen vorleben. Denn Jugendliche können gut beobachten!

Was Sie Ihrem Kind vorleben, ist daher wichtiger als das, was Sie sagen. Betrachten Sie also immer auch Ihren eigenen Alkoholkonsum und seien Sie zu Veränderungen bereit.

Auf die Alltagsdroge Alkohol bezogen heißt das: Um die Heranwachsenden wirklich zu schützen, müssen Erwachsene die von ihnen aufgestellten Regeln auch selbst ernst nehmen. Das gilt sowohl für politisch Verantwortliche als auch für jede einzelne Person.

Sie sollten …

  • das Jugendschutzgesetz ernst nehmen. Wenden Sie sich bitte an die Polizei oder das Ordnungsamt, wenn dagegen verstoßen wird. Zum Beispiel, wenn jemand Schnaps an 16-Jährige verkauft.
  • im Straßenverkehr gar keinen Alkohol trinken. So bleiben Sie glaubwürdig und vermitteln, dass Alkohol und Verkehr nicht zusammenpassen.
  • Vorbild sein und – sofern Sie selbst Alkohol trinken – den eigenen Konsum einschränken und Alkohol auch mal ablehnen. So lernen Jugendliche, ebenfalls „Nein“ zu sagen. Es ist wichtig, was Ihr Kind von Ihrem Verhalten lernt.